Ein Jahresrückblick
1. Januar, 2008 at 00:00 | In Blog |Tags: Al Goore, Bahnstreik, Edmund Stoiber, Entführung, Jahresrückblick, Klimaschutz, Knut, Sport, Umwelt
Das Jahr 2007 ist zu Ende und das neue Jahr hat -zugegebenermaßen etwas merkwürdig und traurig, dann aber dennoch versöhnlich- begonnen. Doch was bleibt von einem Jahr, das privat einschneidend und tiefgreifend in jedweder Hinsicht war, global gesehen? Was ist 2007 außerhalb der 11 Kilometer zwischen Neustadt und dem Städtchen jenseits der Grenze geschehen?
Da wäre zum Einen natürlich -Ehre wem Ehre gebührt- der Abgang des nach seinem Selbstverständnis größten Politikers der Welt, zumindest aber Deutschlands. Edmund Stoiber. Ein Mann, der wie kein Anderer Bayern selbst, aber vielmehr noch die innerdeutsche und internationale Sicht auf Bayern geprägt hat. Jeder saß gefesselt vor dem Fernseher, wenn er sprach. Sein einzigartiges Charisma und sein Wortschatz zwischen Äh und Transrapid, zwischen Problembär und Frau Merkel war und ist einfach einzigartig. Da ist es nun auch kein Wunder, das ausgerechnet dieser Musterdeutsche, der sich nie wirklich sicher war, ob Deutschland auch nördlich von Hof überhaupt existiert und der in bester Tradition eines lupenreinen Demokraten bis zuletzt mit eiserner Hand an seinem Amt klammerte und wahrscheinlich unmittelbar vor dem Marsch auf Berlin doch einsichtig wurde und ging, jetzt ausgerechnet die deutsche Sprache und deren Deutlichkeit zu seinem Fachgebiet gemacht hat.
Ich wünsche Herrm Edmund Stoiber jedenfalls eine bärenfreie und bayrische Zukunft, in der er sich nicht länger mit einer Frau im Bundeskanzleramt und den frustrierten Ossis herumschlagen muss. Servus Eddi. Und für alle, die ihn nicht ganz vergessen wollen oder einfach gern in alten Zeiten schwelgen gibt es hier noch ein paar Highlights.
Doch natürlich gab es noch mehr im vergangenen Jahr, was hier Erwähnung verdient. So stand 2007 das große Thema Umwelt und Klimaschutz so hoch im Kurs, wie noch nie zuvor. Es ist müßig hier an dieser Stelle eine Diskussion über dieses hitzige Reizthema zu eröffnen und jeder meiner Leser weiß längst, (oder kann es im Archiv nachlesen) wie ich zum Thema Klimawandel stehe. Doch ist es schon seltendämlich, was sich die Maschinerie der Medien dieses Jahr im Zusammenhang mit dem Retten der Welt so geleistet hat.
So wurde ein kleines unscheinbares und in freier Wildbahn gerne auch mal Robben tötendes Tierchen zum Idol und Symbol des Unterganges der Welt hochstilisiert, ganz gleich ob die Population dieser ach so niedlichen Art in den letzten Jahren exponentiell gestiegen ist. Natürlich geht es um keinen Geringeren als Knut. Da gab es dann auf einmal Lieder, Teddybären, Tassen und anderen medien- und publikumswirksamen Schnickschnack, dessen Gebrauchswert nahe bei Null lag und der einzig und allein dem Füllen der Kassen ausschließlich jener Leute diente, denen die Umwelt nicht näher liegt als mir und meinen Lesern. Doch das war egal, schließlich war er ja sooooo süß. Zumindest als er klein war, denn jetzt ist er einfach nur ein Eisbär, nicht mehr klein und einfach weiß, dessen Leben nicht anders und spektakulärer war, als das von Millionen anderer Tiere. Doch Geld lässt sich mit ihm immer noch machen, wenn man da nur einmal an die kommende Verfilmung made in Hollywood denkt. Ist doch toll wie weit es die Welt im 21. Jahrhundert gebracht hat, oder?
Aber keine Angst, man konnte die Umwelt und damit die ganze Menschheit auch auf andere Weise retten. Mit sinnlosen, stromfressenden Kinofilmen und Konzertveranstaltungen zum Beispiel, die vom Guru der Ökofreunde dieser Welt, dem Musterknaben und Vielflieger Al Gore organisiert und natürlich auch ertragreich produziert wurden. Al Gore, das selbsternannte Pressesprecher der Mutter Natur, der nach seiner Wahlniederlage und seinen Jahren als Vizepräsident, in denen er maßgeblich das Kyoto-Protokoll torpedierte, nun endlich eine neue Rolle gefunden hat. Da ist es nur klar, das er mal fix mit dem Privatjet rüberfliegt um sich den Nobelpreis abzuholen. Retten müssen das Klima schließlich andere, er zeigt nur gewinnbringend mit dem Finger, das irgendjemand Anderes da unbedingt und mit größter Eile etwas tun muss.
Doch auch für alle, die aus unerfindlichen Gründen sowohl “Eine unbequeme Wahrheit”, jenes Ammenmärchen mit Weisheiten eines dreijährigen auf schlechtem Leim und die Live-Earth Konzerte verpasst hatten, bestand noch ein Fünkchen Hoffnung. Denn auch Pro7, jener Sender der sonst bestenfalls mit drittklassigen Turmspringevents, einem geschlagenen Raab oder einer leicht angegreisten Kati Witt punkten kann, hatte seine Allzweckwaffe, den quotenwirksamen und sympatisch grinsenden Helden in die Umweltschlacht geschickt. Auf einmal konnte man das Klima auch retten, indem man nur daheim sitzt. Und man musste dafür noch nichteinmal den Fernseher ausschalten. Eine einzige abgeschaltete Glühbirne reichte plötzlich, ganz gleich ob nebenan die 5000 Watt Bassbox und die Mega-Dolby-Digital 9.2-Anlage laufen. Wunderbar einfach und eine Rechnung auf bestem Milchmädchen-Niveau. Doch natürlich reicht soetwas bereits, um Quote zu machen und selbsternannte, im privaten Rahmen gerne mal 3,5 Liter Hubraum fahrende, Umweltfreunde aufs Programm zu rufen. Weltenrettung zum Nulltarif gibt es schließlich nicht alle Tage.
Doch auch neben diesem beinahe täglich zu hörenden Unsinn über das Klima und die sterbende Welt gab es Grund zur Freude. Wiedereinmal nur sportlicher Natur. So wurden wir umjubelter Herrenhandballweltmeister und die Frauen schlugen -natürlich möchte man sagen- zum wiederholten Male im Männersport Fußball im fernen China alle Gegner und wurden gleichfalls Meister. Und auch bei den Fußballherren gab es einige Überraschungen. Stuttgart holte sich den Titel und eben nicht der Würstchenulli und seine Mannen aus dem fernen München. Eine erschreckende Tatsache die dann ja sogleich zum größten und bestbezahltesten Menschenhandel in Richtung bayrische Landeshauptstadt führte, dem nun in Bälde nur noch der passende Trainer folgen müsste, damit sich endlich das gewohnte Maß an Erfolg einstellt. Kaum zu erwähnen bleibt da, das die Formel 1 dieses Jahr von einem jungen Hüpfer von der Insel kräftig umgekrämpelt wurde und so spannend wie schon lange nicht mehr blieb. Zuletzt gewann dann der, der wohl selbst am allerwenigsten noch daran glaubte. Eine schöne Wendung wie ich finde, die wiedereinmal zeigt, wie sehr sich Bescheidenheit und Zurückhaltung am Ende auszahlen können.
Das nächste Themenfeld, was man natürlich abgrasen muss, wenn man über das Jahr 2007 spricht, sind die verschwundenen und/oder inhaftierten jungen Menschen. Die kleine Maddi ist bis heute noch nicht aufgetaucht und so langsam gewinnt auch der Letzte langsam Zweifel an der klinischen Sauberkeit der durch die Medien tingelnden Eltern, die selbst natürlich überhaupt nicht wissen (können), wie ihre Tochter so allein aus dem Hotelzimmer kam. Der etwas ältere Marco ist mittlerweile wieder wohlbehalten zurück in good old Germany. Doch Zweifel bleiben auch an seiner Story. Denn auch an der Rütli-Schule weiß man wahrscheinlich, das man kleine Mädchen nicht gerade vertrauensvoll nach dem Alter fragen sollte, wenn man selbst und das Fräulein gegenüber ganz andere Dinge im Kopf hat.
Schlussendlich und als letzten Punkt meines kleinen Rückblickes auf das vergangene Jahr bleiben natürlich noch die Herren von der GDL, GDBA und Transnet, die der Bahn und besonders den Kunden so viel Freude bereitet haben, weil sie aufgrund ihrer mickrigen Gehälter wahrlich unmittelbar vom Hungertod bedroht waren. Ja man glaubt garnicht, wie viele verhungernde Ärzte, Beamte und Lokführer es in Deutschland jährlich gibt. Soetwas erfährt man ja überhaupt erst durch die prophetische Stimme des Herrn Schell und die hochseriöse und unparteiische Berichterstattung der größten deutschen Tageszeitung.
Maik
2 Kommentare »
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Ein sehr gelungener Jahresrückblick, wie ich finde, der auch meine persönlichen Highlights enthält (nur der Sieg der Fußballfrauen kommt mal wieder zu kurz^^). Kaum zu glauben, wie schnell ein Jahr rumgeht und nun sind es nur noch knapp 12 Jahre bis zur Klimakatastrophe! Wobei ich ja dafür wäre, dass man auf den 11.11.2011 orientiert, ist doch ein viel schöneres Datum als 2020, oder?
In diesem Sinne: “Freibier für alle, der Letzte zahlt”
Kommentar von dori — 8. Januar, 2008 #
Danke Doreen
Japp, ich habe letztens im Bus schon mit einer Weisheitsperson gesprochen, die von einem 30jährigen Freund wissen wollte, das wir es hier bald subtropisch warm haben, während alle anderen frieren müssen. Schriftlich geben wollte er es mir dann doch nich, schade eigentlich, was wäre das gut fürs Portemonnaie und die Urlaubsplanung.
Maik
Kommentar von maikswelt — 10. Januar, 2008 #