Demut und Bescheidenheit

„Niemand betrüge sich selbst. Wer unter euch meint, weise zu sein in dieser Welt, der werde ein Narr, dass er weise werde.“
1. Korintherbrief, Kapitel 3, Vers 18

Demut und Bescheidenheit sind große Worte.

Vielleicht sind sie in der heutigen Zeit sogar altbacken, antiquiert und überholt.

Und dennoch bestimmen gerade diese zwei Begriffe meinen Alltag.
Was es mir nicht immer leicht macht.

Ich neige, trotz aller bisweilen zur Schau getragenen Selbstsicherheit und trotz meines manchmal sicher zu weit gehenden Humors zu großer Bescheidenheit, zu brutalem Realismus und zu harter Selbstreflexion. (zumindest möchte ich das, es gelingt mir zweifelsohne nicht immer)

Ich weiß, dass ich das, was ich heute bin aufgrund bestimmter Umstände in der Vergangenheit wurde, von denen ich nur einen Bruchteil selbst beeinflusst habe.

Ich weiß, dass ich meine Arbeit großartigen Menschen, die für mich und mit mir arbeiten, verdanke. Menschen, die mit mir Freud und Leid, Erfolg und Misserfolg, Spaß und Stress teilen und ertragbar machen.

Ich weiß, dass ich von der Schule über das Studium bis heute vor allem Eines hatte – großes Glück. Und ich bin dankbar dafür. Ja, manchmal bin ich von den vielen positiven Eigenschaften meiner Existenz regelrecht unangenehm berührt.

Demut, Fleiß, Bescheidenheit. Mit diesen Begriffen überschrieb der Trainerphilosoph Thomas Tuchel seine Ansprüche an die Mannschaft von Borussia Dortmund. Und auch wenn Tuchel wohl zu Recht als schwierig und menschlich problematisch galt (wer Parallelen erkennt, der darf sie gerne behalten), gefällt mir sein Ansatz bis heute.

Ich bin demütig und dankbar für die Dinge, die ich tun darf. Für die Art und Weise, wie ich sie tun darf und mit welch großartigen Persönlichkeiten ich meine Zeit verbringen kann. (Schwärmereien verstärken die Freude natürlich, so viel ist klar)

Ich bin aber auch bescheiden genug, mich selbst in diesem Konstrukt nicht zu überhöhen. Wenn ich sage (und ich tue das oft), dass jeder werden kann, was ich bin, dann weil ich genau das glaube.

Sicher habe ich „einige ganz besondere Fähigkeiten“, wie Liam Neeson sagen würde, aber ich bin mir der genauen Gründe meines vergleichsweise raschen Erfolges sehr wohl bewusst. Es waren zu großen Teilen die vielzitierten Schultern der Riesen, es waren die richtigen Leute zur richtigen Zeit, die das Richtige in mir gesehen oder es zumindest nicht verhindert haben.

Doch wie gehe ich nun damit um?

Ich versuche es mit der letzten tuchelschen Tugend. Mit Fleiß.

Und mit Humor, was zumindest in meiner Welt automatisch Hand in Hand geht. Gut gelaunte Menschen arbeiten bekanntlich besser und harte Arbeit schweißt erst dann richtig zusammen, wenn man auch gemeinsam lacht.

Außerdem braucht es im Leben ein Ventil – und Humor ist das wohl Unschädlichste und Beste von allen. (Hey, das ist sogar wissenschaftlich belegt, siehe http://nautil.us/blog/why-nuclear-power-professionals-are-serious-about-joking-around)

Doch ich bin natürlich nicht nur der Hobbyscherzkeks. (wirklich nicht!)

Ich arbeite auch hart, manchmal über das Maß des Zumutbaren hinaus. Ich engagiere mich für Andere, helfe und unterstütze, wo immer dies möglich ist. („Nein, das geht nicht.“ „Nein, das kann ich nicht.“ „Nein, das möchte ich nicht übernehmen“ kommen in meinem Wortschatz nicht vor. )

Weil ich es der Welt da draußen schuldig bin, weil es mein Job ist, weil ich es gerne tue und weil Anderen zu helfen eine unglaublich befriedigende Sache ist. (wer an dieser Stelle kichert, ist selbst Schuld)

Allerdings beginnt hier leider auch der durchaus problematischer Teil.

Denn insgeheim erwarte ich von anderen Menschen natürlich dieselbe Lebenseinstellung.

Dieselbe Art zu denken und eine Haltung, in der „quit pro quo“ nicht nur ein Hanniball-Zitat ist.

Ich wünschte, dass jene, die ich unterstütze, mich gleichermaßen unterstützten.

Ich wünschte, dass jene, denen ich geholfen habe, auch mir in der Zukunft helfen werden.

Ich erhoffe mir, dass viele Menschen sich der Besonderheit und Schönheit ihrer Situation gewahr werden und sie mit Demut und Bescheidenheit genießen, anstatt immer mehr zu wollen und dabei mit beiden Ellenbogen voranzuschreiten. Dass auch sie die Schultern der Riesen nutzen mögen, ohne den Riesen dabei im mythologischen Sinne gleich zu erledigen.

t.b.c.

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Eine Danksagung

Die meisten Bücher enden mit einer Danksagung.

Da dies hier aber bekanntlich kein Buch ist (wobei man Blogs natürlich auch drucken kann) und ich zudem eh als schwierig und verschroben gelte, erlaube ich mir, meine Danksagung kurzerhand voranzustellen.

Ich danke hiermit allen Menschen in meinem Leben.
Den Großen und den Kleinen, den Wichtigen wie den weniger Wichtigen (da sie sich vermutlich eh falsch einschätzen), den Neuen wie den Alten.
Und ich danke natürlich meiner Familie.

Ich danke den Kollegen und Freunden, die mich eingeladen und mit mir in den traurigsten Stunden meines Lebens telefoniert haben. Ich danke den neuen und alten, den guten wie den flüchtigen Freunden, die das Leben auf den Dachterrassen und den Onlinespielen dieser Welt für mich schöner werden lassen.

Ich danke allen, die täglich mit mir und über mich lachen. (und das tue ich sehr, sehr oft, häufig bis zum Muskelkater)

Ja, ich danke sogar jenen, die mich beispiellos mit Füßen getreten, verletzt, beleidigt und gedemütigt haben.
Besonders ihnen.

Wieso?
Weil gerade jene negativen Erfahrungen, diese letzten sieben Monate meines Lebens mich nachhaltig geprägt und verändert haben.

Ich lese jetzt Meditationsbücher, beschäftige mich mit meinen eigenen Interessen und Erwartungen an das Leben und treibe täglich Sport – ja ist das denn zu fassen?

Ich bin der Mann, der ich heute bin, weil mich die Summe meiner Erfahrungen zu dieser Person machte.

Meine richtigen und falschen Entscheidungen, meine Art mit ihnen umzugehen.
Meine Fähigkeit zu vergeben und zu vergessen und meine Wahl, nicht verbittert zu sein.

Vergebung ist bekanntlich die höchste Form der Liebe, die mächtigste Waffe, gut für das Karma und was weiß ich nicht alles.

Und ich mag diesen vergebenden, offeneren, sportlichen Kerl, den gewissermaßen runderneuerten Maik 2.0 inzwischen wirklich. (was wiederum ein bedeutender Fortschritt, ja ein Novum ist)

Den Typen, der wie eh und je offen zu seinen Fehlern und Schwächen steht, der weiß, was er kann und was nicht. Der nicht glaubt, die letzten zwölf Jahre mit einem Federstrich von der Landkarte tilgen zu können (warum auch, es war toll!), der sich zugleich aber auch nicht aufgibt und die Chance einer wundervollen Zukunft verneint. (the best is yet to come)

Ich mag, wie er den Spagat zwischen Klassenclown und ernsthaftem Gesprächspartner, zwischen Freund, Chef und Animateur hin bekommt. (okay, meistens)

Ich mag, wie er sich kindisch und erwachsen und manchmal beides zur gleichen Zeit verhält.

Ich mag sogar, wie er sich im Moment naiven Schwärmereien zu einer bezaubernden Person hingibt, die dies vermutlich nicht einmal weiß oder aber dies mit bemerkenswerter Ruhe und der wohl liebsten Art und Weise des Planeten quittiert. Ja, ich bin gedanklich gerade wieder Fünfzehn (reife Fünfzehn natürlich!) und gehe in meiner Phantasie über die ein oder andere Blumenwiese mit dir.
(Danke dafür, liebe…HAH, ICH BIN DOCH NICHT BLÖD!)

Danke für Alles Freunde. Und danke Maik.
Wirklich!

ein Neuanfang

Der König ist tot, es lebe der König.

Manchmal dauert es Jahre, bis wir Dinge verstehen.

So ging es mir zum Beispiel mit diesem Satz. In der Schule hatte ich ihn zwar dutzendfach gelesen und gehört, verstanden habe ich ihn aber erst mitten im Studium.

Menschen brauchen Kontinuität. Es blieb schlicht keine Zeit, um dem „alten König“ hinterherzutrauern. Das Leben, die Regierung, Krieg und Frieden, all das musste zwingend weitergehen, so schnell wie irgend möglich.

„The show must go on“ oder „auf Einzelschicksale kann keine Rücksicht genommen werden“ sind moderne Entsprechungen dieser Phrase.

Und so zynisch, kalt und herzlos es auch klingen mag – es stimmt. Was gestern war, ist schon heute bedeutungslos. Die Gegenwart lässt sich nicht festhalten.

Ich habe diesen Blog nach acht Jahren Pause reaktiviert. Begonnen wurde er vor zehn Jahren, einer halben Ewigkeit. Nichts von dem, was ich damals schrieb, würde ich heute noch genau so schreiben. Und niemand würde wohl genau so kommentieren wie anno 2007.

Von daher gibt es auch keinen Relaunch, sondern einen kompletten Neubeginn. Neues Jahr, neuer Titel, neues Layout, neuer Autor, tabula rasa.

Der König ist tot, es lebe der König.